Vom Überwachungswahn profitieren die Aktien

Der Markt der Überwachungskameras läuft auf Hochtouren, und zwar vor allem, aber auch nicht ausschließlich aufgrund des Überwachungswahns, der eine regelrechte Manie ausgelöst hat.

Die Kameras können mehr als nur überwachen

Das immer mehr Menschen auf Überwachungskameras zugreifen, das hat auch damit zu tun, dass beispielsweise die Kameras von den Spezialisten Mobotix oder Basler mehr können, als nur die reine Videoüberwachung.

Es weiß niemand, wie viele Kamera-Augen in Deutschland aktiv sind. Nur eines ist sicher, allein im Freistaat Bayern wurden seit 2008 rund 5500 zusätzliche Systeme installiert. 2012 wurden im Freistaat mit Run 17000 Kameras, öffentliche Plätze und Räume wie Wertstoffhöfe, Museen und Schulen überwacht. In den nächsten fünf Jahren will die Deutsche Bahn rund 40 Millionen Euro in zusätzliche Kamerasysteme investieren. Dieser Ausbau soll sogar noch vorangetrieben werden, wenn es in den laufenden Koalitionsverhandlungen nach Innenminister Hans-Peter-Friedrich geht. Profitieren werden die Hersteller der Videoüberwachungssysteme von dem Ausbau – aber auch von der regen Nachfrage aus dem Handel. Fazit ist, der Markt wächst weltweit rasant.

Der globale Umsatz wird steigen

Im Jahr 2017 wird der globale Umsatz mit Videoüberwachungstechnik von 12,5 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr auf 23,2 Milliarden ansteigen. Das ergab eine Studie des Marktforschungsinstituts IMS und das stellt ein jährliches Wachstum von 25 % dar. Insbesondere die Angst vor Kriminalität und Terroranschlägen lässt die Neuinstallationen auf dem US-Markt ansteigen. Von dem DZ-Bank-Analysten Karsten Oblinger werden zudem weitere Chancen für den Markt gesehen, vor allem da es ein „weltweit steigendes Sicherheitsbedürfnis gibt“ und „politische Gesetzesinitiativen laufen, durch die der Absatz der digitalen Netzwerkkameras gefördert wird“. Zudem kommt die Videoüberwachungstechnik laut einer Umfrage des EHI Retail Instituts auch in vier von fünf Geschäften zum Einsatz. Dabei ist schon längst nicht mehr die klassische Überwachungskamera zur Vermeidung von Diebstählen gemeint.

Videoüberwachungssysteme: wertvolle Analyseinstrumente

Hinter der Linse verbirgt sich immer öfter ein machtvolles Marketinginstrument. Der Grund ist, dass die Analyse der Kundenströme zum Standard-Handwerkszeug von Supermärkten, Filialen von Drogerie- und Elektronikketten und praktisch allen größeren Shopping-Centern gehört. Die Bilder werden im Gegensatz zu den Überwachungsanlagen an Tankstellen und Geldautomaten nicht gespeichert oder von Hausdetektiven beobachtet. Hier dient die Überwachungskamera als Sensor und die Bilder werden von einem Computer ausgewertet, um beispielsweise die Besucheranzahl zu ermitteln. Zugleich wird von der neuesten Software noch eine Alters- und Geschlechtserkennung geliefert, die zugleich auch die Dauer des Blickkontakts mit den ausgestellten Produkten analysiert und verfolgt ob gekauft wird oder nicht.

Diese Videoüberwachung ist für die Marketingabteilungen ein idealer Datenlieferant, ob die Werbemaßnahmen und -Präsentationen mehr Besucher und vor allem zahlende Kunden anlocken. Selbst in der Sicherheitstechnik werden die digitalen Bilder immer weniger von Menschen analysiert. Auch hier übernehmen immer öfter Computer die Aufgabe. Solche Systeme werden bspw. an der Niederländisch/Deutschen Grenze eingesetzt, um verdächtige Fahrzeuge automatisch zu erkennen. Aber auch hierzulande werden die Daten der Videoüberwachung im öffentlichen Nahverkehr und bei Großveranstaltungen analysiert, damit gefährliches Gedränge im Alltag und Panik bei Evakuierungen vermieden werden kann. Durch die Computer soll es möglich sein, die Entstehung einer Gefahr zu erkennen und frühzeitig eine Lösung anzubieten.

Die großen Elektrikkonzerne mit aussichtsreichen Spezialisten teilen sich den Markt der Videoüberwachungskonzerne. Dazu gehört bspw. der schwedische Marktführer AXIS Communications, aber die Anleger sollten auch ein Auge auf die deutschen Anbieter Basler und Mobotix haben.

Die Basler AG: Hier wird ein breites Einsatzspektrum geboten

Die Basler AG ist eigentlich ein Experte für Videoüberwachungssysteme in der Industrieproduktion. Der Ahrensburger Kamerahersteller bietet jedoch seit 2008 sein Know-how auch für die Sicherheitstechnik, Medizin und Verkehrsüberwachung an. Beispielsweise werden die Geräte von Basler dafür genutzt, den Augenhintergrund zu untersuchen oder Raser im Straßenverkehr zu überführen. Es zahlt sich heute aus auf ein breites Spektrum zu setzen.

Das Management hat kürzlich seine langfristige Umsatzprognose erhöht und erwartet jetzt im Jahr 2018 Erlöse von mehr als 120 Mio. Euro (zuvor 100 Mio. Euro). Im Kurs sind die guten Aussichten teilweise schon eingepreist. Doch der Analyst Marinoni empfiehlt die Aktie weiterhin mit einem Kursziel von 33 Euro zu kaufen.